Background: Kein HSDPA bei E-Plus und BASE
E-Plus ist ein Mobilfunkanbieter, der sich nicht unbedingt durch eine besonders gute Qualität seines Netzes auszeichnet. Zwar hat der Anbieter im Jahr 2000 um die UMTS Lizenzen mit geboten und sich im milliardenschweren Bieterwettstreit auch entsprechende Frequenzen gesichert, die Strategie bei der Entwicklung seines UMTS Netzes unterscheidet sich aber von der seiner Mitbewerber grundlegend. Während Vodafone und T-Mobile zielstrebig ihre Netze mit dem Datenturbo HSDPA ausrüsten lässt sich E-Plus mit dem Upgrade seiner Infrastruktur vergleichsweise viel Zeit. Die Potsdamer sehen sich eher in der Rolle des Vorreiters bei der Tarifgestaltung als bei der Umsetzung beim technisch Machbaren.
Ungeachtet dessen hatte die Geschäftsführung im September letzen Jahres einen umfassenden Ausbau des UMTS Netzes angekündigt. Unter anderem sollte die eigene Netzinfrastruktur nach den damaligen Plänen auch auf die HSDPA-Technologie, mit der sich die Geschwindigkeit mobiler Datendownloads im Vergleich zu Standard-UMTS derzeit bis zu 20-fach steigern lässt, aufgerüstet werden. Jetzt ist man wieder auf die ursprüngliche Konzernlinie umgeschwenkt und möchte sich auf den Verbesserung der Netzabdeckung konzentrieren. Dem Ausbau auf HSDPA oder gar HSUPA wurde bis auf weiteres eine Absage erteilt.
Einerseits ist es natürlich zu begrüßen, dass sich ein Anbieter bei seinen Produkten vor allem auf besonders kundenfreundliche Tarife konzentriert, andererseits gerät E-Plus mit dieser Einstellung immer weiter ins ‘technische Abseits’, da die eigenen Kunden auf absehbare Zeit nicht von den Vorteilen eines echten mobilen Breitband-Zugangs auf DSL-Niveau profitieren können.
Dieser Wettbewerbsnachteil dürfte nach Ansicht vieler Experten und auch einiger verärgerter Reseller-Partner wie z.B. Blau.de, das bereits mit einer Abwanderung zu einem Konkurrenz-Netzbetreiber gedroht hatte, schwerwiegende Folgen für die künftige Rolle des Netzbetreibers im deutschen Mobilfunkmarkt haben. Das Fehlen von HSDPA im E-Plus Netz betrifft dabei nicht nur eigene (UMTS Flatrate-) Produkte, sondern wirkt sich auch auf angegliederte Marken wie BASE nicht gerade verkaufsfördernd aus. Und: der Vorsprung der Konkurrenz wird immer größer. Fast im Wochenrhythmus kündigen T-Mobile und Vodafone immer neue Ausbaustufen ihrer nach eigenen Angaben sehr gefragten HSDPA-Breitbandzugänge an.
Der Markt für Breitbandzugänge im Bereich Mobiles Internet wächst derzeit jedes Jahr signifikant. Beflügelt wird die ganze Branche eben durch eine große Nachfrage nach mobilen Breitbanddiensten. Auch wenn die mobilen Datenprodukte derzeit noch guten Absatz finden ist es fraglich, ob sich E-Plus und BASE auf Dauer mit dem selbst gewählten Nischendasein als Tarif-Innovator in einer auf modernste Technologien versessenen Telekommunikations-Branche behaupten wird.
