Ende des Preisverfalls bei HSDPA Flatrates in Sicht
Es ist fast wie im Märchen: Seit Jahr und Tag fallen die Preise für Mobiles Internet im Allgemeinen und für dessen schnellste und leistungsfähigste Zugangsvarianten – die HSDPA (Fair) Flatrates – im Speziellen. Parallel bieten die Netzbetreiber immer bessere UMTS Abdeckung und gleichzeitig immer schnellere Datenraten. Das ist aber immer noch nicht alles. Als ob diese Argumente für die Überzeugung mobiler Surf-Interessenten nicht ausreichen würden, überboten sich die Anbieter innerhalb des letzten Jahres fast im Monatsrhythmus mit immer leistungsfähigeren und immer einfacheren Tarifen für das Surfen von unterwegs (siehe z.B. HSDPA-Flatrate-Beitrag vom 7. April).
Damit ist jetzt erst einmal Schluss. Als erster Anbieter hat T-Mobile unlängst eine Tarifänderung angekündigt die, man mag es kaum glauben, eine Verschlechterung der Konditionen für mobile Internet-Nutzer mit sich bringt. Konkret hat T-Mobile das Einführungsdatum für die neuen Tarife web’n’walk Connect M und web’n’walk Connect L veröffentlicht. Ab 1. August 2008 wird demnach der Basistarif web’n’walk Connect und die bislang zubuchbaren Datenoption web’n’walk L bzw. M zusammengelegt, was zunächst einmal positiv klingt, da es eine Vereinfachung des Tarifgefüges mit sich bringt. Die Preise entsprechen mit 24,95 € für die M-Variante und 39,95 € für den Connect-L-Tarif auch genau der Summe von Basistarif + Datenoption der gegenwärtigen Angebote. Während Connect-M mit 300 MB monatlichem Inklusivvolumen auch die Konditionen seines ‚Vorbilds‘ kopiert wurde die Leistung bei der Fair-Flat-Variante aber beschnitten. Anstatt wie bisher 10 GB Fair-Limit möchte T-Mobile jetzt schon ab 5 GB monatlichem Übertragungsvolumen die Surf-Geschwindigkeit reduzieren können. D.h. wer eine HSDPA-Flat bei T-Mobile bucht, bekommt als echter Vielsurfer (mit 10 GB oder mehr monatlichem Surfvolumen) ab Anfang August nur noch die halbe Menge an Daten pro Monat in Höchstgeschwindigkeit ausgeliefert. Danach geht es mit vergleichsweise lahmen 64 Kbit/s down und 16 Kbit/s up bis Monatsende weiter. Für mobile Powersurfer dürfte dies ein klarer Grund sein, noch vor Ende des Monats bei T-Mobile zuzugreifen, da man dann für’s gleiche Geld ab August deutlich weniger bekommt (siehe Tarif-Vergleiche: HSDPA Flatrate auf laptopkarten.de, UMTS Flatrate auf umtsdatentarife.de oder UMTS Fair-Flatrate hier auf flat-umts.de).
Weitere Entwicklung: Es dürfte bei altbekannten Mustern bleiben
Das dürfte aber noch nicht alles sein. Um eine bessere Vorstellung dafür zu bekommen, was im Bereich Mobiles Internet für Entwicklungen anstehen könnten ist es sinnvoll, sich die Evolution der Tarife seit der Einführung der ersten wirklich interessanten Surf-Angebote vor Augen zu führen. Bereits Ende 2005 kam die E-Plus-Tochter BASE mit einer echten UMTS Flatrate auf den Markt. Zunächst war man lange Zeit Vorreiter, doch inzwischen haben alle anderen Anbieter leistungsfähigere Zugänge als BASE im Programm – BASE-Kunden surfen im nicht-beschleunigten Netz von E-Plus mit einfacher UMTS-Geschwindigkeit. Obwohl BASE sehr günstig ist, lässt es sich nicht direkt mit den schnellen HSDPA-Zugängen der anderen vergleichen. Im April 2007 kam dann die erste HSDPA-Flatrate auf den Markt, und zwar als Reseller-Produkt im Vodafone-Netz unter dem Namen ‚Moobicent‘. Zunächst vollkommen ungedeckelt sorgte dieses First-Mover-Produkt sicherlich auch in den Chefetagen der großen Netzbetreiber für Aufsehen. Fast ein Jahr lang hatte Moobicent den Flatrate-Markt für sich, da alle anderen entweder langsamer (Base) oder teurer und dabei auch noch limitiert waren. Dann reagierte T-Mobile und stellte das bis dahin gültige Fair-Flatrate-Konzept auf den Kopf. Anstatt 5 GB und der Androhung von massiven Folgekosten bei wiederholter Überschreitung gewährte man von heute auf morgen seinen Flatrate-Kunden 10 GB und drosselte die Zugänge nur im Falle von übermäßiger Nutzung. Nach dieser Veränderung sahen sich alle anderen Anbieter gezwungen, vergleichbare Angebote auf den Markt zu bringen. Praktisch gleichzeitig kündigte Vodafone einen ähnlichen Tarif an, o2 folgte erst zum 1. Juli mit einer ‚fairen‘ HSDPA-Flatrate. Zwischenzeitlich stellte auch Moobicent auf Fair-Flatrate-Konditionen um und Anbieter Radicens startete mit Moobiair auch gleich noch einen Moobicent-Pendant für das T-Mobile-Netz. Zu diesem Zeitpunkt hatten also alle die veränderten Fair-Flat-Konditionen von T-Mobile aufgegriffen.
Diese ‚Vorgaben‘ von T-Mobile bei der Tarifgestaltung dürften auch bei der jetzt angekündigten Änderung ihre wegweisende Wirkung auf die anderen Anbieter nicht verfehlen. Demnach sind – mit einigem zeitlichen Abstand – ähnliche Schritte bei Vodafone, o2 und vor allem den Resellern zu erwarten.
Mit dieser faktischen Verschlechterung der Vertragskonditionen läutet T-Mobile auch die nächste Phase für das Mobile Internet in Deutschland ein. Es geht ab sofort nicht mehr nur um ungebremstes Kundenwachstum und das Sichern von Marktanteilen. Immer mehr wird es jetzt auch um die Sicherung der Netzqualität und letztendlich auch die Rentabilität gehen. Auch Vodafone schlägt übrigens mit der Ankündigung, der weitere Ausbau auf HSDPA Category 8 (= die dritte Ausbaustufe von HSDPA mit Downloadraten bis 7,2 Mbit/s) wird ‚bedarfsgerecht‘ erfolgen, in dieselbe Kerbe.
Sturm und Drang vorbei?
Als vorläufiges Fazit steht eher ein Ausblick darauf, wohin die Reise mit der UMTS- und der HSDPA-Flat gehen könnte. Erst wenn die UMTS Netze der großen Betreiber über genügend Reservekapazität in den wichtigen Funkzellen verfügen, wird es mit den Preisen wieder deutlicher bergab und mit den Leistungen wieder fühlbar bergauf gehen. Somit wurde auch der Angriff auf das Festnetz, das Vodafone und T-Mobile wegen eigener Beteiligungen sicherlich auch nicht zu aggressiv angehen möchten, vertagt. Für T-Mobile-Interessenten dürfte erst einmal Eile geboten sein, um von den jetzt noch vorteilhaften Konditionen beim Netzbetreiber profitieren zu können.
